Das Atemschutzkonzept der Feuerwehr Coesfeld ab 1997

 

Vorwort

Die Unfälle bei den Feuerwehren im Atemschutzeinsatz gaben der Feuerwehrführung den Anlass einen Arbeitskreis zu bilden, der die Problematik für die Feuerwehr Coesfeld regelt. Im Herbst 1996 trat der AK- Atemschutz (Arbeitskreis) zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. In vielen Besprechungen wurde das 1. Überwachungs- und Registrierungssystem entwickelt und im Frühjahr 1997 technisch umgesetzt.

atemschutz suchender fm

Im Rahmen einer kompletten Neubeschaffung von Atemschutzgeräten der neuen Generation (Dräger – PSS 100 mit 6,8 L Compositeflasche) im Jahr 2001, bestand neben großen Umbaumaßnahmen an den Fahrzeugaufbauten, auch für die bisher durchgeführte Atemschutzüberwachung eine Überarbeitung an.
Der AK- Atemschutz trug alle bisher gemachten Erfahrungen mit dem eingesetzten Überwachungssystem, die Möglichkeiten der neuen Gerätegeneration (Notsignalgeber) sowie die Inhalte aus der neu überarbeiteten FwDV 7 – Atemschutz zusammen.
Eine Vorstellung und Demonstration der auf dem Markt befindlichen Überwachungs- und Rettungssysteme rundete die Meinungsfindung des AK- Atemschutz ab.

Als Grundlage für das neue Überwachungssystem konnten fünf Zielvorgaben erarbeitet werden.

  1. Keine gravierenden Änderungen in der Überwachung für den einzelnen Trupp vornehmen
  2. Für jede Löschgruppe wird ein Atemschutzüberwacher (ASÜ) eingeführt.
  3. Die bis dato. vorhandene zentrale Atemschutzüberwachung für einen Löschzug erfolgt aufgrund von bekannten Übergabeschwierigkeiten nicht mehr.
  4. Die erste Alarmzeit wird auf 10 Min., die zweite auf 18 Min. festgelegt, damit der Sicherheitstrupps noch ausreichend Eingreifzeit hat, wenn es zu einem Unfallereignis kommt.
  5. Der Sicherheitstrupp wird mit einer Rettungsmulde mit Zubehör ausgestattet.

Nach technischer Umsetzung dieser Zielvorgaben entstand für die Feuerwehr Coesfeld das 2. Überwachungs- und Registrierungssystem. Neben der sachlichen Ausrüstung für jeden Trupp ist gleichzeitig die Kommunikation und Bezeichnung der Trupps im Einsatz geregelt.
Grundlage des Atemschutzeinsatzes bildet die FwDV 7.
Das Überwachungs- und Registrierungssystem wird als Hilfsmittel für den verantwortlichen Gruppenführer von einer zweiten Person dem ASÜ (Atemschutzüberwacher) übernommen.
Die Verantwortung für den/die Trupp/s bleibt bei dem jeweiligen verantwortlich eingesetzten Einheitsführer.


Das persönliche Schutzsystem des Atemschutzgerätes PSS 100

Neben den leichten Materialen und der ergonomischen Form des PSS 100 ist jedes Gerät mit einer voll elektronischen Signal- und Warneinheit (Bodygard) ausgestattet. Die Atemluftflaschen aus Composite- Material tragen zum weiteren Tragekomfort bei.
Jede Composite- Flasche ist durch einen Überzieher aus Nomex-Stoff geschützt.
Dieser Überzieher ist durch zwei aufgesetzte Balgtaschen aus dem gleichen Material ergänzt worden.
In der ersten Tasche befindet sich Material zum absuchen – und kennzeichnen von Räumen (Kreide, Rettungsschlinge) sowie zwei Holzkeile.
Die zweite Tasche dient zur Aufnahme eines FuG 10 (2m Band Handsprechfunkgerät)

atemschutz schutzhuelle atemschutz bodygardatbodyg
Die neuen PA mit Schutzhülle über der
Compositeflasche.
Der Bodygard
atemschutz funkgeraetehalterung atemschutz zubehoertasche
  Tasche für Zubehör

Ausrüstung der Trupps

'Neben der üblichen Schutzkleidung für den Einsatz ist jeder Trupp mit einem FuG 10 (2m Band Handsprechfunkgerät) ausgestattet. Die Helmsprechgarnitur für den Truppführer wird mit einem Schnellverschluss am Fw- Helm befestigt.
Dieser Schnellverschluss am Helm eines jeden Feuerwehrmannes ist nach den Vorstellungen der Feuerwehr Coesfeld in Eigenarbeit gefertigt worden.


Registrierung und Überwachung (technische Ausstattung)

Zur Registrierung jedes Atemschutztrupps wird ein Nachweisbrett in dem jeweiligen Mannschafts- oder Geräteraum in der Nähe der Atemschutzgeräte vorgehalten. Dieses Nachweisbrett wurde ebenfalls in Eigenarbeit kostengünstig gefertigt.
Das Nachweisbrett gliedert sich in drei Teilbereiche:

  1. Zeiterfassung mittels digitaler Uhr mit zwei Timerfunktionen (10 Min und 18 Min)
  2. Trupp- und Funkbezeichnung nach Zahlen (1 - 50) auf einem abnehmbaren Klettband
  3. Schriftliche Dokumentation des Einsatzfahrzeuges
    - der Name des Trupps
    - der jeweiligen Einsatzzeit
    - der Druckangaben in bar
    - der Ort des Einsatzes
    - Besonderheiten im Einsatz
    - der verantwortliche Gruppenführer und Atemschutzüberwacher

Das Nachweisbrett kann im Ersteinsatz (1. Löschfahrzeug) zunächst vom Maschinisten mittels Magnetfolie am Fahrzeugheck befestigt werden . Sobald sich an der Einsatzstelle die erste Löschgruppe bildet, übernimmt der festgelegte ASÜ (Weste – ASÜ) dann die weitere Durchführung der Registrierung mittels eines Überwachungsbrettes das auf jedem Löschfahrzeug vorhanden ist. Das Überwachungsbrett gewährleistet die Aufnahme von jeweils drei Nachweisbrettern. Somit kann der ASÜ immer zwei Trupps inklusiv eines Sicherheitstrupps überwachen.

atemschutz nachweiszettel atemschutz nachweisbrett
Nachweiszettel für den jeweiligen Trupp Atemschutz-Überwachungsbrett mit Nachweisbrettern
für 3 Atemschutztrupps

Registrierung und Überwachung (allgemeiner Einsatzablauf)

Ist in einem Einsatz ein Trupp mit Atemschutzausrüstung erforderlich, so erhält dieser wie allgemein üblich von seinem Einheitsführer dazu den entsprechenden Auftrag.
Zur Ausrüstung des Trupps mit Atemschutzgeräten gehört neben dem Anlegen der zusätzlichen Schutzkleidung ( Nomexhaube) auch der Tausch der persönlichen Namensschilder (Klettbandstreifen ) gegen seine gültige Trupp- und Funkrufnummer z.B. Trupp- Nr. 23 vom vorhandenen Nachweisbrett.
Komplett ausgestattet tritt der Atemschutztrupp gemeinsam den Weg zum Einheitsführer an, um dort die dritte Truppnummer vom Nachweisbrett abzugeben. Hier erfolgt dann evtl. noch ein Informationsaustausch über die aktuelle Lage und den Angriffsweg.
Der Einheitsführer heftet sich die Truppnummer 23 ( Nr. = Funkbezeichnung ) auf seine angelegte Armbinde, die Ihm ständig einen Überblick verschafft, für welche Trupps er die Verantwortung übernimmt.
Bevor der Trupp nun seinen Einsatzauftrag beginnt, übernimmt der ASÜ das Nachweisbrett, aktiviert an jedem Atemschutzgerät durch Abziehen des Funktionsschlüssels den Bodygard und meldet sich somit zum Einsatz ab. Der ASÜ aktiviert als erstes die digitale Uhr am Nachweisbrett um anschließend mit der schriftlichen Dokumentation zu diesem Atemschutztrupp Nr. 23 zu beginnen. Der ASÜ ist ebenfalls mit einem 2m - Band Handsprechfunkgerät ausgestattet.

Erfolgt nun innerhalb der 1. Zeitzone ( 10 Min.) keine Rückmeldung des Trupps 23 das er am Einsatzort eingetroffen ist, wird der Trupp durch den ASÜ angesprochen. Grundsätzlich erfolgt eine Angabe des niedrigsten Druck ( x bar ) im Trupp mit einer kurzen Lagemeldung. Hat der Einheitsführer diese Meldung nicht empfangen erfolgt eine mündliche Information durch den ASÜ an den Gruppenführer. Anhand einer Druck – Zeittabelle auf dem Überwachungs- / Nachweisbrett kann der ASÜ ermitteln wie viel Zeit dem Trupp 23 noch zur Verfügung steht.
Nach Ablauf der 2. Zeitzone ( 18 Min ) erfolgt wiederum eine Druckabfrage mit der Kontrolle anhand der Tabelle.
Reicht der Luftvorrat für den weiteren Einsatzauftrag abzüglich der doppelten Luftmenge wie für den Anmarschweg nicht mehr aus, wird der Trupp 23 zurück beordert.


Sicherungstrupp

Der erste Sicherungstrupp in einem Atemschutzeinsatz rüstet sich wie jeder andere Trupp aus. Er wird durch den ASÜ registriert um sich anschließend mit seiner Rettungsmulde und dem darin befindlichen Zubehör an zentraler Stelle aufzuhalten. In der Rettungsmulde befindet sich ein PA- Gerät mit einer verlängerten Mitteldruckleitung und Lungenautomaten. Eine Axt, ein Handscheinwerfer und Fangleine gehören neben einem 50m D- Schlauch mit DM-Strahlrohr in einem PE- Sack zur weiteren Ausstattung.
Wird der Sicherungstrupp eingesetzt, geht er mit dem DM-Rohr für den Eigenschutz vor.
Die Rettungsmulde befindet sich auf dem Podest der DLK, die in der FF Coesfeld nach AAO in jedem Ausrückebezirk eingesetzt wird.

Die einsatzbereite Rettungsmulde der DLK

Aufgestellt: Arbeitskreis Atemschutz

Zum Seitenanfang